Disponent
Lkw-Maut Niederlande ab 1. Juli 2026: Was bis zum 30. Juni geregelt sein muss
08.06.2026

Foto: Elkawe (Wikimedia Commons, gemeinfrei). Einordnung: MEIER-RATIO.
Ab dem 1. Juli 2026 zahlen alle Lkw über 3,5 Tonnen in den Niederlanden für jeden gefahrenen Kilometer eine kilometergenaue Maut. Die bisherige Eurovignette läuft für die Niederlande am selben Tag aus. Das gilt auch für ausländische Fahrzeuge, also für jeden deutschen Lkw, der die niederländische Grenze überquert.
Für Disponenten und Fuhrparkleiter heißt das: Wer am 1. Juli ohne Vertrag mit einem zugelassenen Mautdienstleister und ohne funktionierendes Bordgerät losfährt, riskiert Bußgelder und im schlimmsten Fall, dass das Fahrzeug an Ort und Stelle festgehalten wird.
Wer ist betroffen?
Die Maut gilt für alle Lkw der Klassen N2 und N3 mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse über 3.500 Kilogramm. Also vom 7,5-Tonner bis zur 40-Tonnen-Sattelzugmaschine, egal ob Diesel oder Elektro. Auch ausländische Lkw aus Deutschland, Belgien oder dem übrigen EU-Ausland zahlen voll mit.
Ausgenommen sind nach Angaben der offiziellen Seite ausländische Wohnmobile und bestimmte Sonderfahrzeuge. Für diese muss vor der Fahrt eine Befreiung beantragt werden.
Was kostet die Maut konkret?
Der Tarif richtet sich nach drei Werten: Gewichtsklasse, CO₂-Klasse und Zeitraum. Die offizielle Seite vrachtwagenheffing.nl nennt zwei Perioden mit unterschiedlichen Tarifen.
Vom 1. Juli bis 1. September 2026 zahlen sauberere Lkw (CO₂-Klassen 2 bis 5) zwischen 0,025 und 0,183 Euro pro Kilometer, je nach Gewicht. Ein 18- bis 32-Tonner mit moderner Abgasstufe liegt bei 0,037 bis 0,165 Euro pro Kilometer. Ältere Lkw der CO₂-Klasse 1 zahlen deutlich mehr, bis zu 0,487 Euro pro Kilometer für Fahrzeuge ab 32 Tonnen.
Vom 1. September 2026 bis 1. Januar 2027 wird auf alle Tarife ein Rabatt von 22,3 Prozent gewährt. Ein 18- bis 32-Tonner der CO₂-Klasse 2 bis 5 zahlt in dieser Phase noch etwa 0,029 bis 0,128 Euro pro Kilometer.
Für eine durchschnittliche Tour Köln–Rotterdam (rund 260 Kilometer einfach) bedeutet das bei einem modernen 40-Tonner grob zwischen 10 und 48 Euro pro Strecke, je nach Tagespreis und CO₂-Klasse. Wer regelmäßig fährt, sollte das vorher konkret durchrechnen.
Welche Strecken sind mautpflichtig?
Kassiert wird auf fast allen niederländischen Autobahnen sowie auf ausgewählten Provinz- und Gemeindestraßen. Die genaue Strecken-Karte und eine vollständige Straßenliste stehen als PDF auf vrachtwagenheffing.nl zum Herunterladen bereit.
Für Disponenten heißt das: Im Tourenplan jede Niederlande-Route prüfen. Auch innerörtliche oder Provinzstrecken können betroffen sein, vor allem im Umfeld der großen Häfen und der Knotenpunkte rund um Eindhoven, Utrecht und Rotterdam.
Was passiert mit der Eurovignette?
Für die Niederlande endet die Eurovignette am 1. Juli 2026. Wer also bisher nur eine niederländische Eurovignette gekauft hat, braucht ab diesem Datum stattdessen einen Vertrag mit einem Mautdienstleister und ein Bordgerät.
Für Luxemburg, Dänemark und Schweden bleibt die Eurovignette weiter Pflicht. Fuhrparks mit gemischtem Verkehr durch mehrere dieser Länder fahren ab dem 1. Juli also zweigleisig: kilometergenaue Maut in den Niederlanden, Jahresvignette für die anderen drei Länder. Außerdem soll laut offizieller Seite die niederländische Kfz-Steuer für betroffene Lkw ab Juli 2026 sinken, um die Mehrbelastung teilweise auszugleichen.
Was ist bis zum 30. Juni zu erledigen?
Drei Schritte sind nötig, damit am 1. Juli alles funktioniert:
- Mautdienstleister auswählen und Vertrag schließen. Aktuell sind nach Angaben der offiziellen Seite TotalEnergies, Telepass und Toll4Europe als Anbieter zugelassen. Welcher passt, hängt davon ab, mit welchem Anbieter der Fuhrpark in Deutschland (Toll Collect) und in Frankreich, Belgien oder Österreich bereits arbeitet. Viele Bordgeräte sind als EETS-Geräte für mehrere Länder ausgelegt.
- Bordgerät bestellen und einbauen. Wer bereits ein EETS-Gerät im Lkw hat, muss es bei seinem Anbieter für das niederländische System freischalten lassen. Wer noch keins hat, muss neue Geräte bestellen, einbauen und einer Funktionsprüfung unterziehen. Lieferzeiten und Werkstattkapazitäten sind im Juni erfahrungsgemäß knapp, je näher die Frist rückt, desto enger wird es.
- Fahrzeuge registrieren und CO₂-Klasse hinterlegen. Für jeden Lkw müssen die zulässige Gesamtmasse und die Emissionsklasse im System hinterlegt sein. Falsche oder fehlende Angaben führen zur falschen Tarif-Einstufung, meist zur teureren.
Der offizielle Aufruf der niederländischen Behörde lautet: „Schließen Sie jetzt einen Vertrag mit einem Anbieter ab.“ Wartelisten beim Bordgeräte-Tausch sind ab Mitte Juni das wahrscheinlichste Engpass-Risiko.
Was passiert ohne Bordgerät am 1. Juli?
Wer ohne funktionierendes Bordgerät auf einer mautpflichtigen niederländischen Straße erwischt wird, riskiert nach offiziellen Angaben Bußgelder. Außerdem darf die niederländische Behörde das Fahrzeug festhalten, bis die Maut-Frage geklärt ist. Konkrete Beträge sind im offiziellen Portal bisher nicht veröffentlicht. Die Praxis wird sich in den ersten Wochen nach dem 1. Juli zeigen.
Für den Disponenten heißt das: Im Zweifel besser die Tour absagen oder umleiten, als einen Lkw an der niederländischen Grenze unklar abzustellen.
Was bedeutet das für den Aufbau auf dem Lkw?
Die Maut betrifft das Trägerfahrzeug, nicht den Aufbau. Ob darauf ein Absetzkipper, ein Kipper, ein Wechselbrückensystem oder eine Plane sitzt, spielt für den Tarif keine Rolle. Maßgeblich sind allein zulässige Gesamtmasse und CO₂-Klasse des Lkw.
Wichtig im Tourenplan: Die Maut summiert sich pro Tour. Wer mit einem schweren Containerwechsel-Lkw mehrfach am Tag zwischen Sammelplatz und Übergabepunkt in den Niederlanden pendelt, hat ab dem 1. Juli pro Tour eine spürbare neue Kostenstelle.
Stand heute (Juni 2026)
Die offizielle Seite vrachtwagenheffing.nl ist auf Deutsch verfügbar und nennt drei Mautdienstleister. Tarif-Tabellen, Strecken-Karte und Straßenliste sind veröffentlicht. Wer im Juni noch keinen Anbieter gewählt hat, sollte sofort entscheiden. Die letzten drei Wochen vor dem 1. Juli sind erfahrungsgemäß die heißeste Phase bei Bordgeräte-Bestellungen und Werkstatt-Terminen.
Häufige Fragen
Welche Lkw sind von der niederländischen Maut betroffen?
Alle Lkw der Klassen N2 und N3 mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3.500 Kilogramm. Auch 7,5-Tonner und kleinere Verteiler-Lkw. Diesel und Elektro werden gleich behandelt, unterschieden wird nur nach Gewicht und CO₂-Klasse.
Was kostet die Maut pro Kilometer?
Vom 1. Juli bis 1. September 2026 zwischen 0,025 und 0,487 Euro pro Kilometer, je nach Gewichtsklasse und CO₂-Stufe. Ab 1. September 2026 gilt bis Jahresende ein Rabatt von 22,3 Prozent. Die genauen Werte stehen in der offiziellen Tarif-Tabelle auf vrachtwagenheffing.nl.
Welche Mautdienstleister sind zugelassen?
Laut offizieller Seite stehen aktuell TotalEnergies, Telepass und Toll4Europe als zugelassene Mautdienstleister bereit. Wer bereits ein EETS-Bordgerät für Deutschland, Frankreich oder Belgien einsetzt, sollte zuerst beim eigenen Anbieter prüfen, ob das Gerät für die Niederlande freigeschaltet werden kann.
Wird die Eurovignette für die Niederlande noch gebraucht?
Nein. Die Eurovignette endet für die Niederlande am 1. Juli 2026. Für Luxemburg, Dänemark und Schweden bleibt sie aber Pflicht. Fuhrparks mit Touren in mehrere dieser Länder fahren also doppelgleisig: kilometergenaue Maut in den Niederlanden, Jahresvignette für die übrigen.
Was passiert am 1. Juli ohne Bordgerät?
Die niederländische Behörde kündigt Bußgelder an und behält sich vor, Fahrzeuge ohne gültige Mautlösung festzuhalten, bis die Sache geklärt ist. Konkrete Bußgeldhöhen wurden bisher nicht veröffentlicht. Für Disponenten gilt: Im Zweifel die Tour absagen oder umleiten.

