Werkverkehr: Erfüllen Sie alle 6 Voraussetzungen?

Sie müssen für Ihr Unternehmen Transporte organisieren und sind sich nicht sicher, ob es sich dabei um Werkverkehr handelt? In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen und wie Sie sich für den Werkverkehr anmelden können.

Werkverkehr: Das sind die 6 Voraussetzungen

Das Güterkraftfahrgesetz (GüKG) unterscheidet zwischen zwei Arten von Güterkraftverkehr: Der entgeltliche bzw. geschäftsmäßige Transport von (unternehmensfremden) Gütern und sowie der Transport für eigene (unternehmensinterne) Zwecke.

Letzteres wird als Werkverkehr bezeichnet. Dafür müssen nach § 1 Abs. 2 GüKG folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Die Kraftfahrzeuge besitzen inklusive Anhänger ein zulässiges Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen, um grundsätzlich erst einmal als Güterkraftverkehr eingestuft zu werden.

2. Als Werkverkehr wird nur die Art von Güterkraftverkehr bezeichnet, die dem eigenen gewerblichen Nutzen dient.

3. Für die transportierten Güter bedeutet dies: Sie müssen im Eigentum des Unternehmens sein oder zumindest von diesem selbst hergestellt, verkauft, ge- oder vermietet, bearbeitet oder instand gesetzt werden.

4. Auch die Strecke der Beförderung ist klar eingegrenzt. Ob zur Anlieferung, zum Versand oder zur Umlagerung – Mindestens der Start oder Endpunkt muss das Unternehmen selbst sein.

5. Die Fahrer der Nutzfahrzeuge müssen im Unternehmen angestellt sein oder zumindest dort auf eine bestimmte Art vertraglich beschäftigt sein.

6. Die Rolle des Gütertransports wird im Bezug auf alle anderen Vorgänge im Unternehmen als Hilfstätigkeit gesehen.

Werkverkehr in der Abfall- und Recyclingwirtschaft

Am Beispiel der Beförderung von Abfall lässt sich die Trennung zwischen gewerblichen Güterverkehr und Werkverkehr gut nachvollziehen.

Von einem gewerblichen Güterverkehr spricht man in der Abfall- und Recyclingwirtschaft, wenn die Haupttätigkeit und der entsprechende Umsatz des Unternehmens im Transport von Abfall, z. B. in Form von Absetz- oder Abrollcontainern, liegt.

Das Unternehmen kann aber auch ganz andere Tätigkeitsschwerpunkte, wie das Sortieren, das Recyclen und den Weiterverkauf von Abfall, haben. Wird dieser z. B. mit eigenen Absetz- oder Abrollkippern sowie Fahrern zum Recyclinghof transportiert, sind bereits wesentliche Kriterien für den Werkverkehr erfüllt.

Wer sich unsicher ist, ob das eigene Unternehmen die Voraussetzungen für den Werkverkehr erfüllt oder ob ein gewerblicher Güterverkehr vorliegt, sollte Rat bei örtlichen Behörden suchen.

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Grenzüberschreitender Werkverkehr

Ist in Ihrem Unternehmen der grenzüberschreitende Werkverkehr ein Thema? Dann sollten Sie in Erwägung ziehen, eine Ladeliste in den Sprachen der befahrenen Länder und ein Vermerk, der den Werkverkehr bestätigt, dem jeweiligen Fahrer mitzugeben.

Der grenzüberschreitende Güterkraftverkehr in der EU ist durch die Verordnung (EG) Nr. 1072/2009 festgelegt. Darin wurden von allen Mitgliedstaaten gemeinsame Regeln für den Güterverkehr, wie etwa die Zulassung von Transportunternehmen, die ihren Firmensitz in einem jeweils anderen EU-Land haben.

Welche Nutzen und Pflichten bringt der Werkverkehr mit sich?

Laut § 9 GüKG ist der Werkverkehr erlaubnisfrei. Das Unternehmen kann also auf die Anmeldung des eigenen Güterkraftverkehrs bei der örtlichen Erlaubnis- bzw. Lizenzbehörde verzichten. Darüber hinaus muss keine Güterschaden-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Dennoch ergeben sich beim Werkverkehr auch eine Reihe von Pflichten:

Werkverkehr anmelden

Laut § 15a Abs. 2 GüKG müssen alle Fahrzeuge für Werkverkehr mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen vor dem ersten Transport beim Bundesamt angemeldet werden. Dies gilt für LKW mit oder ohne Anhänger sowie für Sattelkraftfahrzeuge. Dafür kann folgendes Anmeldeformular ausgefüllt und an die zuständige Außenstelle des Bundesamtes für den Güterverkehr geschickt werden.

Werkverkehr: Fahrtenschreiber oder EG-Kontrollgerät?

Beim Güterkraftverkehr gilt eine Auszeichnungspflicht. Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten müssen dokumentiert und nachgewiesen werden. Ob man einen Fahrtenschreiber oder ein EG-Kontrollgerät verwendet, hängt zum einen vom zulässigen Gesamtgewicht (bzw. der Motorleistung), zum anderen vom Datum der Erstzulassung des Fahrzeuges ab.

Fahrzeuge mit einem zulässiges Gesamtgewicht von über 3,5 t

Kraftfahrzeuge im Werkverkehr, die eine Erstzulassung vor dem 01.05.2006 besitzen, müssen einen Fahrtenschreiber (analoger Tachograph) verwenden. Alle später erstmals zugelassenen Fahrzeuge sind zur Mitführung eines EG-Kontrollgerätes (digitaler Tachograph) verpflichtet.

Fahrzeuge mit einem zulässiges Gesamtgewicht von über 7,5 t

Auch hier müssen alle Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 01.05.2006 einen Fahrtenschreiber verwenden. Für alle Fahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 01.05.2006 ist die Verwendung eines EG-Kontrollgerätes verpflichtend.

EU-Verordnung für Fahrtenschreiber

Vorschriften zu Einbau, Benutzung und Prüfung von Fahrtenschreibern bzw. Kontrollgeräten sind seit dem 1. März 2014 in der EU-Verordnung Nr. 165/2014 festgehalten. Die Verordnung besagt:

  • Alle vom Fahrer außerhalb des Fahrzeugs geleisteten Arbeiten müssen direkt vor der Weiterfahrt manuell in den Fahrtenschreiber eingespeist werden.
  • Falls ein manueller Nachtrag nicht möglich ist, soll der Fahrer die bisher gültigen  EU-Tätigkeitsbescheinigungen verwenden. Die Scheine müssen deshalb immer noch von Kontrolleuren akzeptiert werden.
  • Es ist nicht verpflichtend, trägt aber zur Übersichtlichkeit bei, wenn der Fahrer die planmäßigen, wöchentlichen oder täglichen Ruhezeiten ebenfalls nachträgt. Ist das nicht der Fall, sind regelmäßige Aufzeichnungslücken, die bei der Auslesung des Kontrollgeräts auffallen, als legitime Ruhezeiten zu bewerten.
  • Wohingegen länger andauernde Ruhezeiten definitiv manuell nachgetragen werden sollten.

Fazit zum Werkverkehr

Der Werkverkehr ist eine Form des Güterkraftverkehrs. Sind Sie sich unsicher, ob es sich bei Ihnen um einen Werkverkehr handelt, helfen Ihnen die folgenden Fragen weiter.

  • Besitzt Ihr Nutzfahrzeug inklusive Anhänger ein zulässiges Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen?
  • Dient der Transport von Gütern lediglich dem gewerblichen Eigennutzen des Unternehmens?
  • Sind die transportierten Güter im Eigentum oder Teil eines Verkaufs-, Vermietungs-, Reparatur- oder Produktionsprozesses des Unternehmens?
  • Befindet sich der Standort des Unternehmens mindestens als Start oder Ende auf der Beförderungsstrecke?
  • Sind die Fahrer bei Ihnen angestellt oder vertraglich an Sie gebunden?
  • Ist der Transport lediglich eine Hilfstätigkeit?

Können Sie jeden Punkt eindeutig mit “Ja” beantworten, können Sie laut § 9 des GüKG ihre Ware erlaubnisfrei und ohne Abschluss Güterschaden-Haftpflichtversicherung transportieren. Allerdings müssen Sie den Werkverkehr beim Bundesamt anmelden – und zwar vor der ersten Fahrt.

Ausgenommen vom Führen von Fahrtenschreibern bzw. EU-Kontrollgeräten sind auch die Kraftfahrzeuge im Werkverkehr nicht. Ob ein digitales oder analoges Kontrollgerät von Nöten ist, hängt ganz von dem Erstzulassungsdatum Ihres Fahrzeugs ab.

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